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Ein Jahr im Färbegarten von Karin Tegeler April 2007 23.April 2007 Zur Zeit ist ja wieder sooo ein schönes Wetter bei uns! Gestern habe ich die Blumenbeete durchgehackt und überall Hornspäne ausgestreut und Kompost aufgetragen, den Armin durchgesiebt hatte. Ich freue mich schon auf die Blütenfülle! Am 17. Mai (Himmelfahrt) gibt es im Hof unserer Lieblingsnachbarn einen Pflanzenmarkt. Die Gelegenheit nutzen wir zum Tag der offenen Werkstatt, zwei Freundinnen werden kommen, eine führt Spinnen vor und eine Filzen, unser Schwiegersohn wird uns bekochen und mit Getränken versorgen und Armin will Führungen durch unseren naturnahen Garten machen. Na und ich werde überall sein, natürlich besonders in meiner Werkstatt. Im vorigen Jahr war zu diesem Anlass in unserem Dorf richtig viel los! Hoffentlich ist an dem Tag auch so schönes Wetter wie jetzt! Aber es sollte schon dazwischen auch mal regnen, denn alles ist ja knochentrocken. Auf dem Festland soll ja sogar schon Waldbrandgefahr deswegen sein! Und das im April! Ich denke schon ganz leise an meine Färbepilze im Wald. Weiß eigentlich irgendjemand etwas darüber, ob ein so trockenes Frühjahr auch schon Einfluss auf das Pilzwachstum im Herbst hat? Bei uns im Garten habe ich natürlich auch eine „waldähnliche“ Vegetation unter dem großen Walnussbaum angelegt mit Buschwindröschen weiß und gelb, mit Lerchensporn, Schlüsselblumen und sogar Aronstab und natürlich Maiglöckchen. Das ist jetzt im Frühjahr so eine Wohltat für Seele und Augen! Natürlich fühlt sich da auch der Waldmeister besonders wohl. Gerade habe ich in „unserer“ Mailingliste ein tolles Rezept für Waldmeisterbowle gelesen. Danke dafür! Werde ich auch gleich ausprobieren! Allerdings darf man das natürlich nicht zu oft machen, denn Waldmeister enthält einen Cumarin ähnlichen Wirkstoff und ist daher giftig. Aber maaal darf man so eine Bowle schon trinken und ich freu mich drauf!
17.April 2007 Frühling, bzw. sogar erste Frühsommertage sind so plötzlich gekommen, dass Erdmute Marciniak in einer Mail schrieb, der Garten explodiere geradezu. So auch bei uns. Noch vor wenigen Tagen gab es an den Sträuchern kein grünes Blatt und plötzlich steht alles in Blüte. Erst blühten nur die Osterglocken und Blausternchen, von den Tulpen sah man nur die ersten grünen Blätter und plötzlich blühen sie überall, sogar der Goldlack streckt schon die ersten Blüten heraus und die Maiglöckchen sprießen mit ihren Blättern wie Spieße aus der Erde, unter dem Walnussbaum blühen die gelben und weißen Buschwindröschen und der Lerchensporn. Armin und ich wandern immer wieder durch den Garten und bestaunen das frische junge Grün und die prächtigen Frühlingsfarben. Natürlich animiert das auch ganz instinktiv zum Färben, womit ich deswegen auch schon wieder beschäftigt bin. Dieses Jahr scheint blau mein Favorit zu sein! Blau in allen Variationen: Shiborimusterung, uni blau, Blaudruck auf Leinen und Baumwolle, Nunofilz blau mit und ohne Musterung.... der neu eingesäte Waid wird natürlich auch täglich begutachtet: wie viel Farbstoff wird er dieses Jahr enthalten und in welcher Qualität?
7. April 2007 Ostersamstag und toller Sonnenschein, der Garten steht in voller Osterblüte. Viele Osterglocken und die netten hellblauen Scilla, die sich selbst stark vermehrt haben und inzwischen überall, sogar schon auf den Hochbeeten zu finden sind! Die Steine dienen Molchen, Weinbergschnecken und anderem Getier als Unterschlupf.
Natürlich habe ich auch schon mal unter die Vliese geschaut und siehe da: aufgegangen sind die ersten Radieschen, der Färberwaid und die Färberkamille. Außerdem treibt der Krapp ganz gehörig , wie man auf dem Foto sieht. Selbst da hat sich ein Blausternchen ansiedeln können! Noch etwas kann man im schönen Sonnenschein in unserem Garten beobachten: Armin streicht die grünen Bretter des vorderen Hochbeetes rot!
Aber man hört auch etwas: ein Sprosser ist seit einigen Tagen in unserem Garten und singt unentwegt laut und wunderbar melodisch, um ein Weibchen anzulocken. Es wird wohl leider nicht gelingen, denn der Lebensraum Garten ist ja eigentlich zu klein für ihn, denn rundherum gibt es bei uns nur intensiven Ackerbau. Er wird wohl wieder weiterziehen.
1. April 2007 Auf den beiden beigefügten Fotos kann man unseren Naturgarten sehen am 1. April 07. Ein Foto ist vor dem Haus gemacht, das andere mit dem Foliengewächshaus dahinter.
Es sind also praktisch 2 Gärten, die auch völlig unterschiedliche Bedingungen haben. Hinten eher feucht und viel mehr Schatten, vorne eher trocken und voll sonnig. Der hintere Garten ist auch unser „Wohngarten“. Der mittlere Bereich, da wo jetzt die Sitzgruppe steht, kann mit einem großen Zeltdach überzogen werden, so dass wir auch bei leichtem Regen dort arbeiten können. Sowohl vor dem Haus als auch dahinter, stehen einige Hochbeete, damit ich rückenfreundlich arbeiten kann und das Wildkraut, von dem wir reichlich stehen lassen, nicht in die Beete wächst. Außerdem sind diese Beete im Frühjahr natürlich viel früher abgetrocknet und von der Sonne aufgewärmt. Auf dem Boden hätte ich nur vorne schon einsäen können. Wir wohnen ja auf einer Ostseeinsel, wo durch das Wasser bedingt, sich die Luft viel später aufwärmt als auf dem Festland. Gegenüber Lübeck macht das bei uns etwa 14 Tage aus. Außerdem haben wir hier an der Küste natürlich viel mehr Wind, als auf dem Festland, aber durch unsere hohen Hecken rundum, schützen wir den Garten ganz gut davor. Bei dem vorderen grünen Hochbeet hat mein Mann Armin die Bretter erneuert, denn die verrotten natürlich im Laufe der Zeit. Sie werden noch mit der schwedischen umweltfreundlichen roten Schutzfarbe gestrichen, die er auch bei dem 6-eckigen Beet und den Rankgerüsten verwendet hat.
Auf den Beeten habe ich bereits einiges eingesät, was ich gleich mit Vlies abdecken musste, denn wir haben einige Katzen, die es toll finden, im frisch Eingesäten zu scharren. Trotz der Katzen gibt es bei uns auch viele Vögel. Die Tauben beispielsweise sehen mir immer mit großem Interesse zu, wenn ich Erbsen einsäe. Aber mit dem Vlies haben sie keine Chance. Außerdem schützen die Vliese auch vor Wind, Nachtfrost und Platzregen. Ursprünglich haben wir die Beete für unser Gemüse angelegt, aber mehr und mehr wurde das Gemüse von den Färbepflanzen verdrängt. Jetzt habe ich nur noch Radieschen, Rettich, diverse Salate, Buschbohnen und natürlich Tomaten und Kräuter auf den Beeten. Die Tomaten stehen noch in Schalen auf dem Fensterbrett im Haus, die Bohnen lege ich immer erst nach dem 5. Mai. An Färbepflanzen habe ich bereits eingesät: Färberwaid, Reseda, Färberknöterich und Färberkamille. Der Krapp steht am Rande des Beetes hinter dem mit den grünen Brettern. Das sind Stauden. Die Neueinsaaten müssen jeden Tag gegossen werden, an dem es nicht regnet, denn einen Nachteil haben unsere schönen Hochbeete doch: sie trocknen sehr schnell ab. Karin Tegeler www.textiles-werken.de 10. April 2007 Über Ostern gab es schließlich doch trübes regnerisches Wetter, deswegen bin ich im Haus geblieben und habe Färbeexperimente gemacht und meine 25 Tomatenpflänzchen vereinzelt. Bei uns kann man nur resistente Tomatenpflanzen gebrauchen, sonst bekommen sie alle die Braun- und Krautfäule. Unverständlich, warum die Gärtnereien trotzdem nicht resistente Pflanzen verkaufen, sie müssten das doch eigentlich auch wissen. Ich wohne jetzt schon über 20 Jahre hier, und wann immer ich es mit gekauften Tomatenpflanzen versucht habe, war es ein Misserfolg. Deswegen bin ich auch schon des öfteren von Bekannten angesprochen worden, denn meine Tomaten wachsen und gedeihen und schmecken kräftig und fruchtig. Was wir nicht frisch essen können, trockne ich in Scheiben, oder ich ziehe die Haut ab und friere sie einzeln in Alufolie ein. So habe ich den ganzen Winter eigene Tomaten zum Kochen, während meine Bekannten hier auf der Insel den Tomatenanbau wegen der kranken Pflanzen aufgegeben haben. Nun, ich kaufe Samen von Sperli oder Gärtner Pötschke, so viel Arbeit ist es nicht, die paar Pflanzen, die ich brauche, selbst zu ziehen. Ausserdem habe ich heute auch wieder unter die Vliese gekuckt: Kresse ist erntefähig, Neues ist noch nicht aufgelaufen, aber ich habe beim Waid vorsichtshalber Ferramol Schneckenkorn gestreut, denn wir wollen ja im Juni mit dem Waid färben. Der ist aber auch sehr beliebt bei den Nacktschnecken! Gegen das Ausstreuen von Ferramol (Neudorf) habe ich mich lange gesträubt, denn eigentlich möchte ich gar kein Tier in unserem Garten vergiften. Allerdings war der Nacktschneckenbefall vor einigen Jahren so schlimm, dass ich fast nichts mehr ernten konnte und bei Regenwetter konnte man nicht durch den Garten gehen, ohne auf Schnecken zu treten. Wir haben eimerweise Schnecken eingesammelt und weggefahren, aber man merkte nicht, dass es weniger wurden. Da stand ich vor der Frage, soll ich die Gärtnerei aufgeben oder doch etwas gegen die Nacktschnecken tun? Aber Schnecken zerschneiden oder in Bierfallen ertränken ist nicht so das, was ich gern tue. Nachdem ich aber erfuhr, dass durch das Ferramol weder unsere heimischen Weinberg- noch andere Gehäuseschnecken vergiftet werden, und es auch Igeln oder anderen Tieren nicht schadet, habe ich begonnen, dies Mittel an besonders gefährdeten Pflanzen auszustreuen, und seitdem haben wir auch wieder Salat und Petersilie. Verluste gibt es zwar gelegentlich auch weiterhin, aber damit kann ich mich anfreunden, wenn nur auch für uns etwas bleibt! Morgen will ich noch den Sommerrettich aussäen. |