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Mai 2007 1.Mai 07
Garten, wie hast du dich in vier Wochen verändert! Unser Apfelbaum blüht! Das ist zum 1. Mai sensationell! Die allerersten Radieschen gibt es auch schon und sogar der vorjährige Waid fängt an zu blühen. Der frisch ausgesäte Waid ist gut aufgelaufen und wächst auch gut. Leider regnet es immer noch nicht bei uns, aber nachts taut es hier doch ziemlich stark, so dass sich unter dem Flies Tautropfen bilden können. Natürlich wird auch täglich gegossen. Dazu kann man das durchlässige Flies gut auf den Pflanzen liegen lassen. Dieses Flies schützt auch vor zu starker Sonnenbestrahlung und Austrocknung durch Wind. Außerdem habe ich heute die ersten Tomatenpflanzen im Foliengewächshaus gesetzt und die Buschbohnen gelegt. Eigentlich mache ich das immer erst am 5.Mai, damit die Bohnen nicht vor den Eisheiligen keimen, aber dieses Jahr kann ich mir Eisheilige gar nicht mehr vorstellen. – Wehe, wenn doch...! Auch der Lorbeerbusch ist längst draußen und ich hatte sogar schon überlegt, draußen auf den Hochbeeten ebenfalls Tomaten zu pflanzen, aber damit warte ich vielleicht doch lieber noch ein paar Tage. Natürlich wächst und sprießt es wie verrückt in unserer „grünen Hölle“. Hölle? Ach nein, - Himmel!!!!

Nun regnet es schon seit Tagen und zwar sanft aber ausgiebig. Für den Garten ideal, denn zwischen den Schauern kann das Wasser immer wieder absickern, bevor es weiter regnet. Natürlich wächst und sprießt es wie verrückt in unserer „grünen Hölle“. Hölle? Ach nein, - Himmel!!!! Trotz trüben Wetters habe ich einige Fotos gemacht: Das Foliengewächshaus von innen: da blühen der Fingerhut, die Löwenmäulchen und der gelbe Scheinmohn. Alles ist von selber dort aufgegangen. Wo mich solche Pflanzen stören, nehme ich sie weg und pflanze sie woanders hin. Aber sieht das nicht wunderschön aus? Die Tomatenpflanzen, die ich ebenfalls auf diese Seite gesetzt habe, stört das nicht im Geringsten, sie bekommen trotzdem noch viel Licht und Nährstoffe.
Im „Färbergarten“ tut sich auch einiges: der Ampfer neben einem der Hochbeete kann schon das erste Mal geerntet werden und entweder getrocknet oder ich färbe gleich damit. Auch die Kätzchen am Walnussbaum fallen jetzt so nach und nach ab. Da alles an einem Walnussbaum färbt, außer den Nüssen selbst, kann man natürlich auch damit färben und zwar sowohl als Kaltfärbung als auch kochend, mit oder ohne Vorbeize. Die heute gesammelten trockne ich gerade in meinem Pilz-Kräuter-Obst-Dörrgerät. Außerdem habe ich ein Foto gemacht von einer Klettlabkrautpflanze (vor dem Weidengeflecht). Früher färbten unsere Vorfahren mit den dünnen Wurzeln rot, aber das war natürlich wirklich mühsam, denn man brauchte ja viele Würzelchen! Heute bauen wir dafür den Krapp an. Man sieht ihm ja ganz deutlich die Verwandtschaft an, aber er ist nicht nur in der Pflanze viel kräftiger, sondern auch im Wurzelwerk, und das lohnt sich nach heutigem Maßstab schon eher. Da wir gerade von Krapp reden, auch das gehört in unseren Garten: frisch gefärbte Kammzüge, auf dem Foto von links nach rechts: mit Cochenille auf Kaltbeize AL, mit Cochenille auf Eisen-acetatbeize, Krapp auf Kaltbeize AL. Bei so viel Fleiß am Tage, gönne ich mir jetzt den Feierabend!

24. Mai 07
Es wächst und wächst und wächst und.... es ist geradezu unheimlich! Nachdem es nach der relativ langen Trockenheit im Frühling ausgiebig geregnet hatte, herrscht nun wieder strahlender Sonnenschein mit Hochsommertemperatur! Die Frühjahrsrettiche (Ostergruß) müssen dringend geerntet werden: es gibt Rettichsalat, Rettichbrote und Kartoffelsalat mit Rettichen, wobei die Rettiche fast überwiegen. Auch die Nachbarn „müssen“ uns noch Rettiche abnehmen. Aber schließlich ist ja wirklich alles bei uns „BIO“. Da nehmen die Nachbarn gern etwas. Salat kann ebenfalls schon geerntet werden. Ich hatte Kopfsalat, Eisbergsalat und zwei verschiedene Pflücksalate gesät. Die Buschbohnen wachsen auch gut, aber sie sind ungleichmäßig aufgegangen, ich werde noch mal einige nachlegen. Für die Tomaten habe ich letzte Woche im Gartenbedarf neue Stäbe gekauft und zwar die Metall-Spiralstäbe. Das ist zwar eine teure Anschaffung, aber vielleicht fürs Leben??? Ich war die zu kurzen oder umknickenden Stöcke leid. Außerdem habe ich auch gleich Blumen für die zwei Kübel mitgebracht und Armin hat einige neue Sumpfbeetpflanzen eingekauft. In unserem Miniteich und dem angrenzenden Sumpfbeet wimmelt es nur so von grünen Fröschchen, auch diesen bekommt das besonders warme Frühjahrswetter ausnehmend gut. Unsere Katzen finden allerdings das lustige Gehüpfe der Fröschchen auch sehr interessant. Aber inzwischen wissen es diese und sonnen sich mehr auf Seerosenblättern als am gefährlichen Ufer. Auch das große Blühen beginnt jetzt bei uns, das anderswo längst eingesetzt hat: die ersten Rosen sind aufgegangen, der orange und gelbe Scheinmohn, der so ziemlich alle Ecken unseres Gartens erobert hat, die Akeleien, rosa, pink und dunkelblau, Bachnelkenwurz, Vergissmeinnicht, gar nicht zu reden von Gänseblümchen und Margeriten, Fingerhüte, Löwenmäulchen, Goldlack, gelbe und blaue Iris, immer noch Maiglöckchen, Knoblauchsrauke, Waldmeister, dunkelrotes Geranium, Wiesenkerbel und noch mehr Wildkräuter. Die Sommerblumen haben dicke Knospen und werden auch bald aufblühen.
Die Färbepflanzen wachsen zügig: Reseda, Waid, Färberkamille, Krapp natürlich, Tagetes, Johanniskraut, Schafgarbe, großer Ampfer (ich weiß nicht welcher, Pferdeampfer??), der große Walnussbaum nicht zu vergessen. Leider ist diesmal nichts von meinem eingesäten Färberknöterich zu sehen. Schade.
Es wächst wirklich alles wie verrückt und manchmal kommt bei mir der Punkt, wo ich neidisch bin auf die Leute, die rund um ihre angelegten Beete alles abmähen. So idyllisch unser naturnaher Garten auch ist mit allen seinen romantischen Ecken, es macht sehr viel Arbeit alles wachsen zu lassen und doch im Zaum zu halten. Ich habe ja wie viele andere Frauen nicht „nur“ die Hausarbeit und den Garten, sondern auch noch meinen Beruf. Da gilt es Vorbereitungen zu treffen für den nächsten Färbekurs, danach habe ich eine Verabredung zum Filzen mit einer therapeutischen Einrichtung und es folgt sofort die Veranstaltung mit dem ungarischen Filzkünstlerpaar István Vidák und Mari Nagy hier bei uns, gefolgt von einem Marktgeschehen in einem Museum bei Hamburg, außerdem möchte ich noch einen Artikel schreiben, ein Oberteil filzen und ein bestimmtes Färbeexperiment durchführen. Und der Tag ist einfach nicht so lang, wie ich es brauchte! Ich schätze aber, dass es fast allen Lavendelschaf-Freunden ähnlich geht. Zusätzlich haben viele ja auch noch ihre Kinder zu betreuen und erziehen. Wir hätten uns ja alle nicht gefunden, wenn wir solche Interessen nicht hätten, oder???!
Also keine Müdigkeit vorschützen - ran ans Unkraut! – Das ist auch so ein doofer Ausruf, als wenn es um Müdigkeit ginge bei einem Zeitproblem! Jedoch: wer seine eigene Zeit nicht organisieren kann, kann gar nichts organisieren! Ein besserer Spruch????
Liebe Grüße Eure Karin ( www.textiles-werken.de )
25.Mai
Vorhin entdeckte ich den bewölkten Himmel und beschloss spontan, schnell noch vor dem Regen die Bohnen nachzulegen und das Basilikum einzusäen. Denn Regen war angesagt und sogar bei uns! Aber da fing es auch schon an. Tja – deswegen zog ich schnell meinen Regenponcho mit Kapuze an und machte mich an die Arbeit, bevor der Boden matschig werden würde. Ist ja vielleicht ganz gut, dass außer unseren direkten Nachbarn, die mich besser kennen, niemand in unseren Garten gucken kann. Ich kann mir schon denken, was man da über mich sagen würde: “Tagelang ist schönes Wetter – aber Frau Tegeler fängt natürlich mit der Gartenarbeit an, wenn es regnet!“ Tja, in diesem Fall war es wirklich so, aber ich bin noch rechtzeitig fertig geworden, habe sogar noch die Wicken vor dem Kompost eingesät, die Armin sich gewünscht hatte und ging noch schnell mit dem „Schneckenfutter“ Ferramol zu den besonders gefährdeten Pflanzen (Bohnen, Salat), und nach anfänglichem leichten Gewittergrollen in der Ferne und leichtem Nieselregen, setzte nun ein richtig schöner Landregen ein. Ich sitze aber jetzt an meinem Computer, der Duft des Tees mit Bergamotteminze steigt mir wohltuend in die Nase und nun kann ich mich auf meine Schreibarbeiten konzentrieren, die ich vorhabe. Ach ja, mein geplantes Färbeexperiment habe ich auch schon abgeschlossen: Im letzten Rotfärbeworkshop haben wir mit Saflorblüten in kalter Färbeflotte ungebeizte Seide wunderschön rot und rosa gefärbt. Das war ein ziemlich aufwendiges Verfahren, hatte sich aber wirklich gelohnt. Mit Wolle klappte das leider nicht, deswegen wollte ich noch einen Rest der Farbbrühe erhitzen und Proben von gebeizter und ungebeizter Wolle und ebenfalls ein Stückchen Seide einlegen, um zu sehen, ob die Farbe in heißer Färbeflotte auf Wolle aufziehen würde. Nun, das klappte nicht, beim Erhitzen bis zum Kochpunkt sanken die dunkelroten Farbteilchen auf den Boden ab und die anfangs orange gewordene Wolle sowie die Seide wurden matt gelblichbeige. Naja – nun weiß ich das auch. Vielleicht klappt es das nächste Mal bei 30-40° besser.
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